Natürlich, erneuerbar und nahezu keine Energie ist nötig für eine bahnbrechende Erfindung. Das nachhaltige MycoBond ist eine revolutionäre Erfindung, mit der schützende Verpackungsmaterialien, Polystyrol für die Hausdämmung oder Kunststoffe für die Produktion von Autoteilen ersetzt werden können. Völlig organisch und auf der Basis von Pilzkulturen und Bioabfällen ist MycoBond sogar kompostierbar.

Pilze sind das neue Plastik

Pilzkulturen. Foto: Fotolia

Pilzkulturen, das Pilzmyzel, nicht essbare Bio-Abfälle wie Weizenspreu, Sägespäne oder sonstige Agrarnebenprodukte oder -Abfälle, die passende Form und Wärme sind nötig, um ein Material zu schaffen, dass den Verpackungs- und Dämmungsmarkt revolutionieren wird. Die Firma Ecovative Design aus der Nähe von New York hat ein Verfahren entwickelt, das kürzlich auf der Wirtschaftskonferenz in Davos vorgestellt wurde und viele begeisterte Anhänger gefunden hat.

Denn überall auf der Welt können die unterschiedlichsten Plastik- und Kunststoffersatzprodukte hergestellt werden, ohne in der Produktion auf Ressourcen wie Erdöl zurückzugreifen, Chemie einzusetzen, viel Energie zu benötigen oder bei der Entsorgung Probleme zu haben. Styropor und verwandte EPS-Produkte wie die gängigste Wärmedämmung aus Polystyrol ist strenggenommen Sondermüll und überdauert 10.000 Jahre und mehr, ohne zu verrotten. Selbst für die Natur, insbesondere die Weltmeere ist Styropor schon längst zur großen Gefahr geworden. MycoBond dagegen kann unbedenklich im eigenen Garten vergraben werden. Es ist gänzlich chemiefrei und zersetzt sich zu 100 Prozent. Dieses neuartige System vertreibt der Hersteller unter dem Markennamen EcoCradle (der Verpackungsname) und Greensulate (die rein ökologische Dämmung).

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Dämmstoffe aus Greensulate haben sich bereits bewährt. Atmungsaktiv und nahezu unbrennbar. Foto: Ecovative Design

Styropor und Transportschutz aus Plastik durch MycoBond bald Vergangenheit?

Das verwendete Substrat muss vor der Vermischung mit Pilzkulturen lediglich pasteurisiert werden. Dann wird es in eine für die spätere Anwendung konstruierte Form gegeben. Die Pilzkulturen «ernähren» sich von den Agrar-Nebenprodukten und bilden so eine kompakte Masse. Und nach dem Wachstum von etwa einer Woche kommt ein Trockungsprozess, damit die spätere Verpackung oder Isolierung nicht schimmelt.

Die Dichte des Materials wird indes durch die verwendeten Grün-Abfälle gesteuert. Die Erfinder von Ecovative Design versprechen, dass, gleich welches Kunststoffteil durch natürliches Material ersetzt werden kann. MycoBond ermöglicht einen nachhaltigen Ersatz. So entsteht ein unterschiedlich dichtes, mehr oder weniger hartes Material, je nach Einsatzwunsch. Das neuartige, rein natürliche Material könnte so nicht nur den Verpackungsmüll von hunderten von Tonnen Styropor nachhaltig vermeiden, auch die natürliche Wärmedämmung ist laut Hersteller heute schon möglich.

pilze sind das neue plastik.
Bruchsichre Flaschenverpackung für den Weinversand. Auch denkbar für Möbel, Fernseher, Smartphones. Eben all das, dass beim Transport nachhaltig geschützt werden soll. Foto: Ecovative Design

Einer der größten amerikanischen Möbelhersteller hat mit dem MycoBond beispielsweise aus Plastik produzierte Möbelschutzecken ersetzt. Ebenso wird eine bruchsichere Flaschenverpackung, etwa für den Weinversand, bereits gefertigt.

MycoBond für die Automobilindustrie

Überall dort, wo Kunststoffe und Leichtbaumaterialien oder – Füllungen zum Einsatz kommen, kann MycoBond als nachhaltiger Ersatz dienen. Türfüllungen, Stoßfänger, Sitzschalen, all das könnte durch MycoBond ersetzt werden.

Komsumgüter, auch hier ist die Pilzkultur einsetzbar

Im eigenen Versuch hat Ecovative Design eine Reihe von Konsumgütern angefertigt, die bereits in deren Onlineshop erhältlich sind. So sind formschöne Kerzenschalen ebenso erhältlich wie Schalen, Pflanzgefäße für den Topfgarten oder Pinnwände für Notizen.

pilze sind das neue plastik.

Kerzenschalen aus Pilzen. Foto: Ecovative Design

Die Möglichkeiten von MycoBond sind noch längst nicht ausgereizt

Ecovative Design forscht kontinuierlich weiter. Ein Team aus Ingenieuren, Biologen, Produktdesignern und anderen Fachleute ist stets auf der Suche nach neuen, nachhaltigen Anwendungsgebieten. Das Unternehmen fordert geradezu dazu auf, neue Ideen für die Anwendung der Pilzkulturen als Ersatz für ressourcenintensive oder umweltschädliche Produkte einzureichen. Wie gut und nachhaltig es wäre, die in den Verruf gekommene, Schimmel erzeugende und brennbare Polystyrol-Dämmungen mit MycoBond zu ersetzen, lesen Sie hier. Auch Millionen Tonnen von Styropor-Verpackungen so zu ersetzen wäre von großem Vorteil für die Umwelt und unsere Ressourcen.

Quelle: Ecovative Design, Text: Jürgen Rösemeier


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Kommentare

  • Ottli 30.03.2012 10:14 Uhr
    Das ist eine wunderbare Erfindung und schöner Artikel. Ich könnte mir aber vorstellen, dass einige Menschen vielleicht Probleme damit hätten, wenn sie erfahren, dass die Materialen für den Hausbau aus Pilzen bestehen. Da müsste man dann genügend Aufklärungsarbeit leisten. Für mich ist es aber ein Schritt in die richtige Richtung und weg vom Plastik.
  • Energieausweis Weyhe 29.03.2012 08:47 Uhr
    Ein super Artikel! Besten Dank dafür. Es ist so toll, dass die Menschen sich immer mehr auf natürliche Produkte zurückbesinnen und sie einsetzen. Das ist Nachhaltigkeit pur. Da hat man doch wieder ein bisschen Hoffnung für den Fortbestand der Lebewesen auf diesem Planeten. Vielleicht schaffen wir es sogar irgendwann (hoffentlich!), dass alle unsere Produkte recycelbar sind und wir alle Stoffe wieder der Natur zuführen können, ohne, dass sie darunter leidet. Beste Grüße aus Bremen sendet die Bremer Energieberatung enerpremium
  • alex3 09.02.2012 11:56 Uhr
    das ist ja genial! Das tun sich riesige neue Möglichkeiten auf! Super Artikel. Ich find Euch einfach genial!!!

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