Überlastung am Arbeitsplatz wird zu einem Zeitphänomen, das unsere Gesellschaft nachhaltig prägt und immer mehr Arbeitnehmer krank macht. Burn-out gehört mittlerweile zum alltäglichen Sprachgebrauch wie Stress, Mobbing oder Überstunden. Technisierung, skrupelloses Profitdenken und die Dominanz von reinen Zahlen getriebener Unternehmen sorgen für soziale Kälte an vielen Arbeitsplätzen. Mindestens jeder fünfte Arbeitnehmer ist physisch krank durch seinen Arbeitsplatz – Tendenz steigend. 

 
Die Hälfte geht auch trotz Krankheit zur Arbeit
 
Die Ursachen sind vielfältig, doch wie negativ sich das Arbeitsumfeld vieler Menschen in den letzten Jahren gewandelt hat, zeigt der Index des Deutschen Gewerkschaftsbundes „Gute Arbeit“, für den 6.083 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Thema Arbeitshetze und Arbeitsintensivierung befragt wurden. Die Ergebnisse sind niederschmetternd: 52 Prozent müssen sehr häufig oder gehetzt arbeiten. 63 Prozent sind der Auffassung, dass sie seit Jahren immer mehr Leistung in der gleichen Zeit bringen müssen. Über ein Viertel muss sehr häufig oder oft auch in der Freizeit für den Arbeitgeber erreichbar sein. Die Folgen: Mehr als ein Drittel denkt auch zu Hause über die Probleme bei der Arbeit nach. Und fast die Hälfte geht auch trotz Krankheit zur Arbeit.
 

 
"Wir brauchen Arbeitsbedingungen, die weniger Stress produzieren"
 
Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied, erklärte bei Vorstellung der Studie: „Die psychischen Belastungen durch Arbeitsstress, Arbeitshetze und Arbeitsintensivierung sind so hoch, dass die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährdet sind. Nicht zuletzt die demografische Entwicklung und der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt stellen neue Anforderungen an die Qualität der Arbeit. Wir brauchen kein Konditionstraining für die Beschäftigten, sondern vor allem Arbeitsbedingungen, die weniger Stress produzieren.“ Die steigende Arbeitsbelastung ist jedoch nur ein Teil, der zum psychischen Druck am Arbeitsplatz beiträgt.
 
Empathie für Vorgesetzte ein Fremdwort
 
Vorgesetzte, für die Empathie ein Fremdwort ist und die Mitarbeiter nur als Hilfsleitern für ihren persönlichen Karriereaufstieg sehen, verpesten die Arbeitsatmosphäre und schaffen es häufig nicht, den Mitarbeitern humane Werte entgegenzubringen. Unklare Kompetenzregelungen,  undurchsichtige Entscheidungswege und permanenter Druck durch Ignoranz oder Launenhaftigkeit sind Brandherde für Demotivation, Ellenbogenmentalität und schließlich Mobbing. „Der Fisch stinkt vom Kopf“: Dieses Motto trifft für viele Unternehmen zu. Und eine reine Zahlenkultur, in der Lob (wenn überhaupt) nur stattfindet, wenn Planzahlen erreicht sind, ist ein Motivationskiller, der nicht mehr dem modernen Miteinander entspricht. Wir leben in einem Zeitalter der mündigen Kommunikation. Nie waren die Dialogkanäle so vielfältig wie heute, doch der Umgang im Job zwischen Mensch und Mensch wird immer fader und eindimensionaler.
 
 
Wenn Mitarbeiter zu Menschen werden und nur noch der Knopf zum Anschalten gesucht wird, entsteht eine soziale Leere. Maschinen funktionieren zwar reibungslos, aber man kann sie nicht motivieren und sie entwickeln weder Ideen, noch Innovationen. Es wird Zeit, dass Nachhaltigkeit auch im Umgang mit Mitarbeitern dominant wird. Und dazu gehört ein sozial-ethischer Umgang, Transparenz und Menschlichkeit. Unternehmen, die dies nicht umsetzen, werden dauerhaft nicht überlebensfähig sein. Denn der Arbeitsmarkt kehrt sich um. 6 Millionen Arbeitskräfte werden in den nächsten Jahren fehlen. Dann können sich qualifizierte Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber selbst aussuchen. Die sozialen „Killer-Firmen“ werden dann bald leere Büros haben.
 
Text: Peter Rensch Bild: DGB

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