Walken ist der Beginn eines neuen Lebens’ – als ich das las, dachte ich im ersten Moment, denen von der Zeitung fällt auch nichts mehr ein, darum müssen sie jetzt über so etwas Unwichtiges wie Laufen schreiben“, erzählt Erika Haagen, und hüpft dabei in kleinen Schritten locker auf und ab. In ihrem knallroten Jogginganzug kommt sie gerade von ihrem „Morgenlauf“ zurück, strahlt über das ganze Gesicht und plaudert munter weiter: „Ja, und dann standen da so Sachen in dem Artikel, dass Laufen nicht nur schlank macht, sondern auch jung hält und gesund. Na gut“, dachte die damals noch Berufstätige, „ich habe gerade Urlaub, dann probiere ich das halt mal aus. Lassen kann ich es ja jederzeit wieder, wenn´s mir nicht gefällt“.
Walken macht vital - ©iStockphotoBeschlossen, getan: Zum ersten Mal in ihrem Leben besorgte sich Erika Haagen eine Walkinghose, ein paar bequeme Turnschuhe. Und dann ging´s los: „Die ersten Male fand ich´s fürchterlich, ich quälte mich keuchend durch die Grünzüge in meiner Wohngegend und schaute dauernd auf die Uhr, um festzustellen, ob ich nicht bald wieder umkehren konnte“, erzählt sie. „20 Minuten waren vorgegeben - nach acht Minuten fiel ich japsend auf die nächste Parkbank. Musste erst einmal eine Runde verschnaufen ...“ Dazu muss man sagen: Seit dem Sportunterricht in der Schulzeit hatte es die gelernte Buchhalterin ausschließlich mit Winston Churchill gehalten, der ja bekanntlich nach dem Motto lebte: Sport ist Mord. Mit zunehmendem Alter hatte die ehemals schlanke Frau ein paar lockere Pfündchen um die Hüften, ein kleines Bäuchlein angefuttert. Bedingt durch die ständig steigenden Anforderungen im Büro litt sie wie so viele Menschen ihres Alters unter Stress und Nervosität, hatte Einschlaf- und Durchschlafstörungen und musste regelmäßig täglich ihre Beta-Blocker schlucken, um ihren Blutdruck niedrig zu halten. „Keine weltbewegenden gesundheitlichen Probleme“, wie sie im Nachhinein sagt, „aber doch ziemlich belastend. Aber das weiß man erst richtig zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat, diese Zipperlein und Befindlichkeitsstörungen.“
Heute ist Erika Haagen topfit:
Gesundheitlich, körperlich – und seelisch. „All das habe ich durch mein tägliches Lauftraining erreicht“, erzählt sie glücklich. Denn wie gut ihr das Laufen tut, das hat sie relativ rasch bemerkt: „Trotz meiner anfänglichen Schlappi-Phasen auf der Parkbank habe ich einfach weitergemacht, bin stur jeden Morgen nach dem Aufstehen in die Turnschuhe geschlüpft, habe ein großes Glas stilles Wasser getrunken, um meine Flüssigkeitsreserven aufzutanken – und bin losmarschiert. Erst die vorgegebenen 20 Minuten – mit Verschnaufpause. Nach 3 Tagen brauchte ich keine Verschnaufpause mehr, da bin ich schon ziemlich locker die 20 Minuten stramm durchmarschiert. Mit gleichmäßigen Schritten und weit ausholenden Armbewegungen, tief durchatmend – und staunend, was das für ein schönes Gefühl war. Das hat mich natürlich ungeheuer motiviert, weiter zu machen ...“.
Und dann kam ihr Schlüsselerlebnis: Nach nur zehn Tagen täglichem Laufen konnte Erika Haagen ihre neue Jogginghose gleich ihrer Freundin schenken – und sich eine neue Laufhose in einer kleineren Kleidergröße zulegen. Denn sie hatte fast unbemerkt volle fünf Pfund abgenommen. „Das hat mich so beflügelt, dass es gar keine Frage mehr war, ob ich morgens laufe oder nicht“, erzählt sie begeistert. Es war fast schon wie ein Mechanismus, so, wie ich sonst morgens als Erstes die Kaffeemaschine angeschaltet hatte, drehte ich jetzt meine Runde durch die Parkwege.“ Bis – ja, bis sie eines Morgens durch prasselnde Regentropfen auf der Fensterscheibe geweckt wurde: „Bei dem Wetter kann ich nicht laufen, da werde ich ja klatschnass“, beschloss sie im ersten Moment. Aber sofort regte sich ihr Gewissen: „Wenn du jetzt nicht sofort läufst – im Regen – dann wirst du nie wieder laufen“, befahl ihr ihre innere Stimme, „Du lebst in einem Land, in dem es häufig regnet, also los jetzt...!“ Sie hat sich ein Cap aufgesetzt, eine Regenjacke über den Jogginganzug gezogen – und ist richtig „voll durchgestartet“, wie sie sich erinnert: „Das war ein völlig neues Laufgefühl, meine erhitzte Haut, die Regentropfen, die mir übers Gesicht liefen, der Duft der regennassen Bäume und Büsche – ein unglaublich beeindruckendes Erlebnis. Und dann erst die Dusche danach – ich fühlte mich wie neugeboren“, so Erika.
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