Nachhaltigleben

«Wurst ein Gesicht geben», lautet das Motto von Student Dennis Buchmann, der auf seinen Wurstverpackungen einen Aufkleber des verarbeiteten Schweins anbringt. Seine Idee, seine Ziele und die Hintergründe seines Erfolgs lesen sie im Interview mit nachhaltigleben.de.

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Der Verbraucher verzichtet auf anonymes Massenfleisch und isst stattdessen nur hin und wieder ein Stück Fleisch. Doch zu diesem Essen hat er dann ein Gesicht vor Augen - das des glückliches Schweins. Foto: meinekleinefarm.de

Sie geben Ihren Fleischprodukten "ein Gesicht" - Erklären Sie uns Ihr Konzept?

Auf jeder Wurst ist ein Aufkleber des Schweins, aus dem die Wurst gemacht ist. So sollen die Menschen gedanklich ins Stolpern geraten und über ihren Fleischkonsum nachdenken: Hinter jedem Fleisch steckt ein Tier – hat es nicht ein wenig Wertschätzung verdient? Durch ein neues BeWURSTsein sollen die Menschen weniger Fleisch, aber aus artgerechter Haltung essen. Denn bislang essen viele Menschen morgens, mittags, abends Fleisch, was auch daran liegt, das Fleisch anonym und obszön billig geworden ist. Wenn man weniger davon isst, kann man auch einen höheren Preis bezahlen.

Was waren Ihre Beweggründe dafür?

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Ich studiere Public Policy an der Humboldt Viadrina School of Governance. Dort braucht jeder Student ein Projekt, mit dem er ein politisches Problem angeht. Fleisch ist politisch, weil es durch den Futteranbau Umweltressourcen stark belastet (Wasser, Fläche, Regenwald) ist. Fleisch ist kein Grundnahrungsmittel und es ist nicht energieeffizient, wenn man durchschnittlich 10 Pflanzenkalorien für eine Fleischkalorie verwendet. Außerdem ist hoher Fleischkonsum nur mit ethisch fragwürdiger Massentierhaltung zu realisieren. Ich möchte also das Problem des hohen Fleischkonsums angehen. Und zwar ohne erhobenen Zeigefinger und negativistischen Mechanismen („Wenn Sie Fleisch essen, schaden Sie Umwelt und Tier“), sondern mit einem Produkt als positiver Lösung („Essen Sie doch diese Wurst, verzichten Sie auf jene aus Massentierhaltung und reduzieren Sie so ihren Fleischkonsum insgesamt“). Quasi Message in a Wurstglas

Wie reagieren die Kunden darauf?

Die Kunden lieben nicht nur den Geschmack aus der brandenburgischen kleinen Metzgerei, denn Zimmermann würzt ehrlich und konsequent. Sie freuen sich über den direkten Kontakt zum Hersteller (Bauer und Tier) und die Transparenz des Projektes. Und über die vielen Schweinegeschichten.

Vertreiben Sie nur Bioprodukte?

Dennis Buchmann gründete die Internet Metzgerei «meine kleine Farm». Foto: meinekleinefarm.de

Ich vertreibe gar keine Bioprodukte. Die Schweine sind biozertifiziert, aber darum geht es nicht. Sie leben in Freilandhaltung, was viel mehr als Bio ist. Ich könnte, da der Schlachter biozertifiziert ist, auch ein Biosiegel bekommen. Doch wenn man auf dem Foto des Schweins noch den Modder an dessen Nase und im Hintergrund den Acker sieht, wozu braucht man da noch ein Biosiegel?

Wie sieht Ihr persönlicher Fleischverzehr aus?

Ich esse wenig Fleisch, aber wenn dann aus artgerechter Haltung. Also meine Schweine und Neulandfleisch oder ähnliches.

Welche neuen Ideen haben Sie - soll Ihr Konzept Schule machen und ausgeweitet werden?

Ich habe noch einige Ideen, aber erst mal ein Schwein nach dem anderen. Ich würde das Konzept gerne ausweiten und mit anderen Bauern zusammenarbeiten. Erste Gespräche stehen an.

Weitere Infos unter  http://www.meinekleinefarm.org

Text: Peter Rensch


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