Am 19. November begann die abenteuerliche Reise einer mutigen wie engagierten Frau. Um auf die Lärmverschmutzung in den Meeren und dessen tödliche Folgen für Meeresbewohner aufmerksam zu machen, ruderte Janice Jakait aus der Metropolregion Rhein-Neckar in 90 Tagen von Portugal nach Barbados. 6.500 Meilen quer über den Atlantik, allein auf hoher See.
Janice Jakait aus dem kleinen Ort Neulussheim bei Heidelberg ruderte mit 1 Mio. Schläge über den Atlantik. (c) Fotolia
Lange hatte sich die 34-jährige Janice Jakait auf ihre Mission vorbereitet. Und letzten November war es soweit. Während andere hektisch ihre Weihnachtseinkäufe erledigten, war die engagierte Frau mitten auf dem Atlantik unterwegs, kämpfte gegen acht Meter hohe Wellen, verfing sich in Fischereigerät und musste Kollisionen mit Schiffen vermeiden. Ihre Aktion nannte sie «Row for Silence», Rudern für die Stille. Sie wollte damit auf die Tatsache aufmerksam machen, dass die Weltmeere unter einer immensen Lärmverschmutzung leiden und die Meeresbewohner stark unter dem «Höllenlärm» leiden. Bis zu 240 Dezibel sind beispielsweise Hochleistungssonare von Militärschiffen laut. Seismische Tests zur Erdölsuche können sogar lauter sein. Und selbst Fischereischiffe (158 dB) oder Tanker (169 – 190 dB) sind lauter, als es die menschliche Schmerzgrenze ertragen könnte. Die Schmerzgrenze des menschlichen Gehörs liegt bei 120 Dezibel.
Komplett auf sich alleine gestellt, ruderte die mutige Frau quer über den Atlantik. (c) Row for Silence
Besonders Wale und Delphine sind von der Lärmverschmutzung betroffen. Sie ertrinken sprichwörtlich im Schallgewitter wie es die Schweizer Organisation Ocean Care, Mitglied in der Internationalen Koalition gegen Unterwasserlärm, IONC, drastisch formuliert. Die Wale wollen der Lärmverschmutzung ausweichen, doch wohin? Ist die Lärmverschmutzung besonders drastisch, dann platzen den Meeressäugern Blutgefäße im Gehirn, Panik und Orientierungslosigkeit sind die Folge und sie tauchen unkontrolliert an die Oberfläche. Das Ergebnis: Sie sterben, gleich dem Menschen, an der gefährlichen Taucherkrankheit. Auch verirrte und gestrandete Wale, so wird vermutet, agieren so unlogisch aufgrund der Lärmverschmutzung in den Meeren. Auch Kollisionen mit Schiffen sind aufgrund der Orientierungslosigkeit mehr und mehr der Fall. Zehntausende Kleinwale sterben in Folge der Lärmverschmutzung jährlich.
Es ist laut Ocean Care mittlerweile unumstritten, dass die Lärmverschmutzung der Meere auf mindestens 55 Arten von Meerestieren einen stark negativen Einfluss hat. Studien zur Lärmverschmutzung belegen, dass die intensive Beschallung der Meere die Bestände von Hering, Dorsch, Barsch, Seebrasse oder Schellfisch um bis zu 80 Prozent dezimieren kann. Kommt eine intensive Fischerei dazu, dann sind in manchen Meeresregionen die Bestände komplett ausgelöscht. Die weitreichende Folge: Eine nachhaltig wirksame Lücke in der Nahrungskette. Wenn man bedenkt, dass beispielsweise Sonare bis zu 3.000 Kilometer Entfernung reichen, eine unvorstellbare Belastung für die Meerestiere mit weitreichenden Folgen.
Rudern für die Stille in den Meeren: 10.000 Delfine und Kleinwale sterben jährlich aufgrund der Lärmverschmutzung. (c) Fotolia
Gut vorbereitet, war die rudernde Janice Jakait den gleichen Gefahren ausgesetzt wie die Meeresbewohner. Ein Fischereischiff mit ausgeschaltetem Funk kam ihr so nahe, dass sie Gefahr lief eine Kollision zu haben. Erst im letzten Moment sah man sie und drehte noch rechtzeitig ab. Und Begegnungen mit Delfinen und das Genießen absoluter Stille gehörten auf ihrer anstrengenden Tour genauso dazu wie intensive Seekrankheit in den ersten Tagen. Insgesamt eine Million Ruderschläge waren nötig, um die Küste von Barbados in der Karibik zu erreichen.
Nicht immer ging es so beschaulich zu wie eine Aufnahme mitten vom Atlantik zeigt. (c) Row for Silence
Strahlend, wenn auch von den Strapazen gezeichnet, sagte Janice in einer ersten Reaktion: « Meine Begegnungen mit Walen und Delfinen waren unglaublich. Sie haben mir Kraft gegeben und gezeigt, dass jeder Ruderschlag für die Kampagne für leisere Meere die Strapazen wert war. Ich hoffe, wir Menschen ändern unseren Umgang mit dem Meer und seinen Bewohnern.» Und, so Jakait weiter, «ein unbeschreibliches Gefühl, festen Boden unter den Füßen zu haben! Ich werde Monate brauchen, um die letzten 90 Tage zu begreifen, aber eines weiß ich schon: Auf Abenteuerrente gehe ich sicher nicht! Jetzt freue ich mich auf eine warme Dusche und ein nicht schwankendes Bett!»
Der Zusammenhang von militärischen Mannövern mit Sonar und Massenstrandungen von Walen und Delfinen deckte die WDR-Reportage schonungslos auf:
Quellen: Ocean Care, Row for Silence, Text: Jürgen Rösemeier

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