Karg sind sie die Inseln und größtenteils menschenleer. Das norwegische Vega-Archipel südlich des Polarkreises hat eine faszinierende, wenn auch öde Landschaft und ist für seine Vogelwelt berühmt. Die Besonderheit: Brütende Eiderenten, deren Federn seit über 1000 Jahre von Menschen gesammelt werden. Selbst überdachte Nester werden gebaut, um die teuersten Daunen der Welt zu schützen.

Wertvollste Daunendecke der Welt ohne Lebendrupf-Federn

Allenfalls eine Fischerkate findet man auf den Vega-Inseln vor Norwegen, Ursprungsort der wohl teuersten, aber auch kuscheligsten Daunendecke der Welt. (c) Thinkstockphotos

Ein raues Klima herrscht auf den Duzenden kleinen Inseln des Vega-Archipels. Die etwa auf der Mitte von Norwegen liegende Inselgruppe ist heute nahezu menschenleer. Auf vielen Inseln sind keinerlei menschliche Spuren zu entdecken, allenfalls eine Fischerkate steht in der schönen Einsamkeit der Eilande. Doch, dies war einst anders. Denn mehr als 1.500 Jahre reicht die Geschichte der Inseln zurück. Damals war der Fischfang die Haupteinnahmequelle auf dem Vega-Archipel. Und schon bald entdeckten die Bewohner einen wahren Schatz. Die wohl wärmsten Daunen der Eiderente. Fortan bauten die Menschen den Eiderenten überdachte Nester. Bis heute. Und die Fürsorge ist groß. Denn für die Eiderenten werden sogar mit getrocknetem Seetang ausgelegte, überdachte Nester gebaut und Fressfeinde wie Marder verscheucht.

Viele der Eiderentendaunen-Sammler kommen ausschließlich zum Nestbau und Schutz der Eiderenten auf die Inseln, und der anschließenden Ernte der luftig-leichten Federn. Und das lohnte sich schon früher. Denn die Frauen, die sich in den vergangenen Jahrhunderten auf die Daunenlese spezialisiert hatten, verdienten schon damals weitausmehr, als ihre tagtäglich fischenden Ehemänner. Heute kommen die Frauen vom Festland. Die meisten sind selbst auf den Inseln geboren, wanderten aber aufgrund der fehlenden Jobmöglichkeiten und des Mangels an modernem Komfort von den Inseln aus.

Heute wie damals ist der Arbeitsaufwand aber nicht zu unterschätzen. Die Nester müssen gehegt und gepflegt werden und die Federn aus bis zu 60 Nestern sind nötig, um nur eine Daunendecke zu befüllen. Anschließend werden sie mit einer sogenannten Daunenharfe gereinigt und von Seetang- und Eierschalenresten gereinigt, eine Technik, auf die die Veganer schon seit Jahrhunderten vertrauen. Und anschließend werden die wertvollen, tierfreundlich gewonnenen Daunen zur wohl kuscheligsten Daunendecke der Welt verarbeitet. So dauert die Arbeit für nur eine Daunendecke wochenlang. Kein Wunder, dass bei einer solchen Qualität Bestellungen aus der ganzen Welt eingehen und die Fans dieser Daunendecken auch lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Und auch den Preis akzeptieren, der bei 5.000 Euro liegt. Übrigens: Die Norweger versichern, dass die Daunendecke ein Leben lang hält. Manche wird sogar über Generationen vererbt.

Wertvollste Daunendecke der Welt ohne Lebendrupf-Federn

Die schwarz-weißen Eiderenten sind die Lieferanten für die edelsten, teuersten, aber garantiert tierfreundlich produzierten Daunenbettdecken. (c) Thinkstockphotos

Neben der Hauptattraktion, die Daunenproduktion, bietet das Vega-Archipel sehr gute Bedingungen zum Radfahren, Kanu- und Kajakfahren sowie Wandern auf markierten Pfaden in den Bergen oder am Ufer entlang. Auch Angler und Ornithologen kommen hier auf ihre Kosten. Und insbesondere die Eiderenten sind für den Hobby-Vogelkundler zur Brutzeit von Mitte April bis Ende Juli hier zu bewundern.  Mehr über das Vega-Archipel, das nicht nur aufgrund der brütenden Eiderenten 2004 zum UNESCO Welterbe ernannt wurde, finden Sie auf der Internetseite von Visit Norway.

Text: Jürgen Rösemeier


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