Ob Stricken oder Nähen, Schreinern oder Gärtnern: Der DIY-Trend hat sein Nischendasein verlassen und ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Trendforscher haben festgestellt: Das Selbermachen gehöre im Moment zu den wichtigsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Diese Entwicklung wird auch in den kommenden Jahren nicht nachlassen. Stricken ist dabei Nummer eins.
Ein Touch von Retro im Internetzeitalter? Stricken, Häkeln oder Nähen wird derzeit zum Event und ist mehr als beliebt. Die Branche machte 2011 eine Milliarde Euro Umsatz. (c) h+h Cologne
Die Zeiten der Alternativen mit ihren selbstgestrickten Pullovern sind längst vorbei. Denn gerade das Stricken wird jetzt zum Event. Edles Garn, Stricknadel und der Tratsch mit den Freundinnen bei einem Glas Wein gehören heute für viele urbanen ‚Stricklieseln‘ heute einfach zusammen.
Wesentlich für die neue Handarbeiter-Generation ist das Gemeinschafts- oder ‚Wir‘-Gefühl, erklärt Trendforscher Professor Peter Wippermann, der eine Analyse zum Handarbeitstrend in Deutschland für den Branchenverband Initiative Handarbeit durchführte. Auf abendlichen Events mit Clubcharakter wird zusammen ‚gecraftet‘. ‚Crafting‘ ist der englische Begriff für unser deutsches Basteln, der sich in der Handarbeits- und DIY-Szene immer mehr durchsetzt, auch weil er erwachsener wirkt und deutlich professioneller daherkommt.
Die grobe Masche ist schnell gestrickt und derzeit richtig angesagt. Der Vorteil: Es geht vergleichsweise schnell. (c) h+h Cologne
Wie groß der Trend zum Selbermachen oder craften ist, zeigt letztlich auch der Erfolg diverser DIY-Plattformen, in Deutschland allen voran dawanda.de. Das Verkaufsportal ist längst nicht mehr nur eine Hobbyplattform, denn einige Bundesbürger haben aus dem Hobby mittlerweile dank der Plattform sogar einen Beruf gemacht. Doch auch das Zeigen der eigenen Produkte, der gecrafteten Unikate ist auf den Plattformen wichtig. Und das Zeigen ist den bastelwütigen Deutschen genauso wichtig, geht es doch neben dem Verkaufen auch darum, die selbst produzierten Produkte der Community zu präsentieren.
Viele der heute Strickenden sind die ökonomischen Gründe für die Handarbeit wie es zu Omas Zeiten war gleich, zumindest zweitrangig. Gerade beim Stricken wird in das Hobby richtig Geld investiert, wird edle Wolle gekauft, um das Selbstgemachte wie ein Kunstwerk erstrahlen zu lassen. Professor Wippermann geht sogar so weit zu behaupten, dass das Gestrickte „etwas Handgemachtes in der globalen Welt“ ist.
Dass beispielsweise beim Stricken aber auch die Zeit wichtig ist, wird oftmals mit sehr großen Garnen und Nadeln gearbeitet. Auch der Trend, Dinge zu umstricken setzt sich mehr und mehr durch. Die wohl extremste Form dieses Strickstils äußert sich im ‚Guerilla Knitting‘ oder ‚Urban Knitting‘. Hier werden beispielsweise ganze Bäume umstrickt, um einfach zu Verschönern oder eine symbolische Aussage zu treffen.
Nähen mit Kreuzstich und Co. in völlig neuem Design kommt an. (c) h+h Cologne
Wie erfolgreich das Geschäft auch für den Einzelhandel ist, belegen auch Zahlen, die anlässlich der letzten h+h cologne 2012, der Handarbeitsmesse in Köln, veröffentlicht wurden. So wurde nach den Erhebungen der Initiative Handarbeit 2011 ein Gesamtumsatz von 1.055 Mio. Euro in der Handarbeitsbranche erzielt. Das waren 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr, sogar 15,3 Prozent mehr, als noch vor fünf Jahren. Mit 360 Millionen Euro sind Strickgarne hierbei das größte Einzelsegment. Dies sei gefolgt von Stoffen, für die die Deutschen 350 Mio. Euro ausgaben. Denn auch das Nähen ist wieder im Trend und völlig angesagt. Der Trendforscher nimmt an, dass Handarbeit bald so fest in des Deutschen Freizeit verwurzelt ist wie die neue Liebe zum Kochen und Gärtnern.
Grob gestrickte Handtasche: Der Handarbeitstrend hat viele tolle Ergebnisse... (c) Bundesverband Initiative Handarbeit
Quellen: Internationale Messe für Handarbeit in Köln, h+h Cologne, Initiative Handarbeit, Text: Jürgen Rösemeier

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