Wie in so vielen Branchen und an Produktionsstandorten in Asien – Arbeiter werden unterdrückt und schlecht bezahlt. Zumindest in der Zimtproduktion auf Sumatra ist dies nun anders. Ein norwegisches Architektenteam hat dort ein Schulungszentrum gebaut, um den Bauern eine optimale Schulung und ein gutes Auskommen zu ermöglichen. Nachhaltig und günstig mit Produkten aus der eigenen Kooperative.
Rosige Aussichten hat nun ein großer Teil der Zimtbauern auf Sumatra. Eine Kooperative mit Bioanbau macht es heute möglich. Vorbildlich! © Pasi Alto
Auf Sumatra werden 85 Prozent des weltweit verbrauchten Zimtes angebaut. Die schlecht bezahlten Arbeiter vor Ort arbeiteten zu miserablen Löhnen vor Ort, in unsicheren und unhygienischen Fabriken. Ein französischer Investor wollte dies 2010 ändern und beauftragte TYIN Architects mit dem Bau eines modernen, aber einfach errichteten Schulungszentrums. Das Ziel: Wert auf Ethik und insgesamt Nachhaltigkeit zu legen. Die Arbeiter sind nun der Casia co-op-Initiative angeschlossen, eine Kooperative, die Bio-zertifizierten Zimt produziert, der vom Bauer direkt an den Konsumenten geht. Durch die eigene Verarbeitung durch die Kooperative und dem Überspringen zahlreicher Zwischenhändler erhalten die Arbeiter nun bessere Löhne, die Farmer mehr Geld für ihre Arbeit und alle profitieren von einem Gesundheitsprogramm und besserer Ausbildung in einem sauberen Umfeld.
Die Basis der Konstruktion bilden zwei Materialien: Eine hölzerne Leichtbaukonstruktion, verbunden mit vor Ort produzierten Ziegeln. Mit Schmuckelementen aus der Zimtrinde wird die eigentliche Funktion des Schulungszentrums aufgenommen. Einfach sollte es sein, aber funktional. So wurde beispielsweise auch an eine natürliche Ventilation der über 600 Quadratmeter überdachten Fläche gedacht. Hier entsteht der Luftaustausch aufgrund der in den Bildern ersichtlichen offenen Bauweise, einer massiven, wärmeabhaltenden Dachkonstruktion, einem großen Dachüberstand und der Vermeidung von Sonnenlichteinstrahlung. Die die Konstruktion tragenden Balken sind übrigens ein Nebenprodukt der Zimtrindengewinnung, das von den Einheimischen sonst wenig geschätzt wird.
Alles andere als malerisch waren die Aussichten der Zimtbauern und -Arbeiter vor der Gründung der Kooperative. © Pasi Alto
Trotz fehlendem Maschinenpark – die kräftigsten Mitstreiter waren neben 70 einheimischen, unerfahrenen Helfern acht Wasserbüffel -, konnte das Schulungszentrum in drei Monaten von TYIN Architects umgesetzt werden. Dass hierbei aber auf eine handwerklich einwandfreie Arbeit geachtet wurde zeigt die Tatsache, dass das Zentrum bereits mehrere Erdbeben – üblich für diese Region – überstand. Das stärkste war ein Beben der Stärke fünf gemäß Richter-Skala. Solch eine stabile Konstruktion gelang letztlich auch durch den architektonischen Ansatz, einzelne Gebäudeteile voneinander bautechnisch zu trennen.
Und schließlich der Preis: Auch aufgrund der Einfachheit der Konstruktion, gepaart mit dem innovativen Einsatz von regionalen Materialien, konnte dieses große Bauprojekt von TYIN Architects für lediglich 30.000 Dollar, weniger als 23.000 Euro, umgesetzt werden. Auch so kann nachhaltiges Bauen aussehen.
Der ganze Baum wird dort übrigens verarbeitet. Zu nachhaltig produziertem Papierrohstoff oder Baumaterial. 100 Prozent Wertschöpfungskette, nachhaltige Architektur und nachhaltiges Business-Modell – ein Projekt par excellence.
Mehr zu dem Projekt und weitere, nachhaltige Bauprojekte auf der Internetseite des norwegischen Büros von TYIN Architects und zu der Kooperative.
Text: Jürgen Rösemeier
Einfach aber durchdacht und hochfunktional - Ein Schulungszentrum für ein besseres Leben. (c) © Pasi Alto

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