Im südafrikanischen Durban findet derzeit der 17. UN-Klimagipfel statt. Es geht darum, endlich nachhaltige Maßnahmen zum Klimaschutz zu vereinbaren. Zu Recht gab es von vielen Seiten dramatische Appelle. Doch China, Indien und Brasilien seien nur bereit mitzuwirken, wenn die sich weigernden USA den Klimaschutz endlich unterstützen. Ein Teufelskreis?
Der letzte Eisbär?! Dank wirtschaftlicher Interessen scheint UN-Klimakonferenz erneut zu scheitern.
Hubert Weinzierl, Präsident des Deutschen Naturschutzrings DNR (deutscher Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände) kritisiert, dass «Der Glaube an das unbegrenzte Wachstum der Wirtschaft und nationale Egoismen sind die Ursachen des absehbaren Scheiterns des Klimagipfels in Durban». Mehr noch, denn im Zweifelsfall bedeute der Glaube an Wachstum mehr als die Verantwortung für die Menschheit, deren ärmster Teil bereits dem Klimawandel zum Opfer fällt. Die verhängnisvolle Wachstumsfixierung und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sollen nicht mehr allein zentraler Maßstab für die Entwicklung unserer Gesellschaft sein, so die Botschaft.
Längst scheint es unter Wissenschaftlern unstrittig, dass, kommt es in den nächsten paar Jahren nicht zu einer drastischen Kehrtwende beim Klimaschutz, bis 2100 bereits 17 Prozent der Erdoberfläche verschwunden ist. Kleine Inselstaaten wie das pitoreske Tuvalu mit lediglich 10.500 Einwohnern oder die Flitterwochen-Destination Bali werden dann von den Meeren verschluckt. Definitiv. Denn der Weltklimarat, IPPC, geht von einem jährlichen Anstieg des Meeresspiegels von 4 bis 6 Millimeter pro Jahr aus. Je nach Region. Die errechneten 59 Zentimeter Meeresspiegel-Anstieg bis Ende des Jahrhunderts wären eine massive Bedrohung für die Inselstaaten. Ein Grund dafür, dass die Vereinigung der kleinen Inselstaaten, AOSIS, die Teilnehmerstaaten am UN-Klimagipfel es als «moralische und ethische Pflicht» ansehen, dass die Nationen sich auf die Unterzeichnung eines neuen Klimaschutzabkommens einigen. Doch, die USA möchte dieses Jahr nicht einmal über ein konkretes Kyoto-Nachfolgeabkommen verhandeln.
Dunkle Wolken am Horizont: Noch idyllische Inselparadiese wie Bali werden dank Klimawandel bald verschwinden.
Diese drastische Formulierung kommt auch aus anderen Regionen der Welt. Genauer, aus Südafrika und von dessen Präsident Jacob Zuma. Wird der Klimawandel nicht mit drastischen Maßnahmen auf dem UN-Klimagipfel nicht eingeleitet, frei von Eigeninteressen und Kalkül, so wird auch Afrika in Kürze dramatisch unter dem Klimawandel leiden. Bis zu 50 Prozent Ernteausfälle bei gleichzeitig wachsender Bevölkerung wären die Folge. Auch der heute schon zu beobachtende Anstieg extremer Wetterphänomene nehme dann in den kommenden Jahren zu.
Doch, es scheint fast unmöglich, dass es zu einer Einigung in Durban kommen wird. Denn die zwei größten CO2-Ausscheider, China und USA, die die Hälfte des gesamten CO2-Ausstoßes verursachen, können oder besser, wollen sich nicht einigen. Obwohl der allergrößten Gefahr der Menschheit ganz klar ins Auge geblickt wird.
Regenwald-Abolzung: Orchideen und viele tausende anderer Pflanzen- und Tierarten sehen wir künftig nur noch auf der Fensterbank, im Botanischen Garten oder im Zoo.
Der durch wirtschaftliche und politische Interessen lahmende, erneut hinkende UN-Klimagipfel ist nicht zuletzt der Anlass für die Mode-Ikone Vivienne Westwood gewesen, eine Million englische Pfund für den Regenwaldschutz zu spenden. Lesen Sie mehr im aktuellen Artikel: «Jetzt ist Schluss mit der Regenwald-Zerstörung».
Quellen: DNR, Die Zeit, Süddeutsche, Text: Jürgen Rösemeier

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