Der Zustand vieler Wildwasserreservoire in den Alpen ist besorgniserregend. So das Ergebnis einer aktuellen Studie der Umweltorganisation WWF. Der Zustand der untersuchten Gewässer ist aus naturschutzfachlicher Sicht kritisch. Damit werden die Lebensräume vieler Pflanzen und Tiere akut bedroht. Gründe für den drohenden Umweltkollaps sind vor alle Eingriffe des Menschen. Nachhaltigleben.de informiert über die Folgen der Alpenkatastrophe.
Der Mensch greift in den natürlichen Lebensraum von Tier- und Pflanzenwelt ein, mit schlimmen Folgen. Foto: © cubephoto - Fotolia.com
Eines der wertvollsten Ökoregionen in Europa ist bedroht. Die Wildflüsse der Alpen pflegen einen ökologischen Kreislauf und strukturieren die Vielfalt von Arten und Lebensräumen. Die Flüsse wurden in der Vergangenheit aufgestaut, verbaut, begradigt oder eingedämmt und haben somit einen Großteil ihrer natürlichen Dynamik verloren. Für die Studie von WWF wurden Flüsse in der Schweiz, Österreich und in Deutschland untersucht. Bei der Untersuchung wurden verschiedene Kriterien methodisch bewertet. Unter anderem die Abflussführung, die Wasserqualität, die biologische Durchgängigkeit, das Vorkommen auetypischer Arten und Lebensräume sowie die Gewässermorphologie, also Verbauungen, Begradigungen etc. Die einzelnen Kriterien wurden in einer 4-stufige Skala bewertet:
Die Ergebnisse der Studie sind ernüchternd und machen deutlich, wie bedroht die Naturgewässer tatsächlich sind. Nur 10 Prozent der untersuchten Gewässer erreichte die Bewertungsstufe «Sehr hoch» und 35 Prozent «Hoch». Weit mehr als die Hälfte der Wildflüsse wurden den unteren Kategorien «Mittel» und «Gering» zugeordnet. Die höchste positive Bewertung konnte die Sense in der Schweiz erzielen. 95 Prozent ihrer Fließgewässerstrecken wurden mit «Hoch» und «Sehr hoch»bewertet. Am schlechtesten schnitt die Traisen ab, bei der 93 Prozent der Strecken mit «Mittel» und «Gering» bewertet wurden.
Positive Erkenntnis der Untersuchung ist die Tatsache, dass alle untersuchten Gewässer abschnittsweise eine hohe bis sehr hohe naturschutzfachliche Qualität aufweisen, jedoch handelt es sich teilweise nur noch um Fragmente der Arten- und Strukturvielfalt aus der Vergangenheit. Besonders bedenklich ist der Zustand der Iller im deutschen Lech sowie der Mangelfall und Traisen. Durch Staustufenketten, die jegliche Gewässerdynamik verhindern und Verbauungen wurden die Wildflüsse massiv gestört.
Natürliche Wildwasserseen, wie in den Alpen, wird es in Zukunft immer seltener geben. Foto: © trochka - fotolia.com
Die Studie macht auch die große Bedeutung der Wildflüsse deutlich. Sie sind Lebensräume gefährdeter oder vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Das Potenzial für wertvolle Existenzräume ist besonders hoch. Durch die fehlende Wasserdynamik sind sie jedoch auf regelmäßige Pflegemaßnahmen angewiesen. Ansonsten droht eine Vernichtung der seltenen Tiere und Pflanzen. Die Umweltschutzorganisation hat zum Ergebnis der Studie für alle untersuchten Flüsse Maßnahmenkataloge erarbeitet, damit die Wildflüsse der Alpen vor dem Kollaps bewahrt werden.
Text: Ulrike Rensch

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