Die Antikorruptionsorganisation Transparency International veröffentlichte ihre Transparenz-Rangliste der 195 größten börsennotierten multinationalen Unternehmen. Banken und Versicherungen zeigten in einzelnen Ländern ein besonders hohes Maß an Intransparenz.

Vor allem bei der Berichterstattung über ihre Geschäftsaktivitäten in einzelnen Ländern zeigt der Finanzsektor wenig Transparenz. Die 24 multinationalen Banken und Versicherungen erzielten bei der Untersuchung einen Wert von 4,2 Punkten, was einem unterdurchschnittlichen Ergebnis entspricht. Professor Dr. Edda Müller, Vorsitzende von Transparency International Deutschland e.V. erklärt dazu: „Die Studie belegt erneut, dass wir mehr Regulierung und verbindliche Berichtsstandards für den Finanzsektor brauchen. Banken sollten ihre Beteiligungsstrukturen und nationalen Finanzkennzahlen vollständig offenlegen. Man kann nicht Steuergelder zur Rettung kassieren und sich gleichzeitig weigern öffentlich zu dokumentieren, dass man ordentlich seine Steuern zahlt.“

Mehr Transparenz!

Die Banken kassieren Steuergelder, wollen ihre Finanzen dennoch nicht offenlegen. © Thinkstock

Deutsche Unternehmen im ersten Drittel

Die Bewertung der Untersuchung  basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen der Unternehmen und Transparenz wird dabei als wichtige Voraussetzung einer erfolgreichen Antikorruptionspolitik bewertet. Die sieben deutschen Unternehmen erzielten Plätze im ersten Drittel der Rangliste. Als positiv bewertet wurde, dass sie alle vollständig über ihre Töchterunternehmen berichten, als unbefriedigend bewertet wurde jedoch die Berichterstattung zu Kennzahlen auf Länderebene.

Keines der sieben deutschen Unternehmen gibt öffentlich an wie viel Steuern ihre Töchter in den jeweiligen Ländern zahlen, in denen das Unternehmen tätig ist. Dazu Professor Edda Müller: „Unternehmen sollten länderspezifische Zahlen, wie Umsatz, Vorsteuerergebnis und Steuern veröffentlichen. Nur so können die Bürgern dieser Länder feststellen, inwieweit Unternehmen Zahlungen an die Regierungen tätigen,  Gelder verschwunden sind oder durch entsprechende Konstruktionen Steuern vermieden wurden.“

 

Auswahl aus der Rangliste


1. Statoil (8,3)
2. Rio Tinto (7,2)
3. BHP Billiton (7,2)
7. BASF (6,7)
10. Allianz (6,6)
17. Siemens (6,3)
24. Bayer (6,1)
29. Deutsche Telekom (6,0)
30. E.ON (6,0)
35. SAP (5,8)
69. PetroChina (4,1)
92. Bank of America (3,2)
93. Commonwealth Bank (3,1)
95. Google (2,9)
98. Gazprom (2,8)
101. Berkshire Hathaway (2,4)
103. Honda Motor (1,9)
104. Bank of Communications (1,7)
105. Bank of China (1,1)

Die Punktzahlen der 105 Unternehmen rangieren von 0 bis 10, wobei 0 am intransparentesten und 10 am transparentesten ist. Die Bewertung basiert zu drei gleichen Teilen auf öffentlich zugänglichen Informationen der Unternehmen:

  • zu ihren Antikorruptions-Programmen,
  • zu ihren Töchtern, dem prozentualen Besitz daran und dem Land der Registrierung dieser Töchter sowie
  • auf der Ebene der Länder, in denen sie tätig sind, im Hinblick auf Umsatz, Investitionen, Vorsteuerergebnis,  Einkommenssteuer  und     Ausgaben für soziale Belange.

Transparency International veröffentlicht regelmäßig mit dem Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) und dem Bestechungszahlerindex (BPI) quantitative Indices, bei denen Länder verglichen werden. Mit der Transparenz-Rangliste werden auch Unternehmen vergleichend bewertet.

Foto: Thinkstock/ Text: Peter Rensch


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