Die Biobranche boomt, der Umsatz an ökologischen Lebensmitteln steigt. Doch schaut man sich in Deutschland um, so muss man feststellen, dass das Wachstum der Bio-Betriebe zurückgeht. Die Konsequenz: Es muss immer mehr Bioware importiert werden. Die Gründe für den Öko-Austieg sind vielfältig und doch schlüssig.
Statt Pestizide einzusetzen, wird das Beikraut mechanisch entfernt. Was besser für die Umwelt ist, kann für den Betrieb unwirtschaftlich sein. Quelle: www.oekolandbau.de, Copyright BLE, Dominic Menzler
Nachfrage kann nur durch zusätzliche Importe bedient werden
Die Zahl der Bio-Anbauflächen stieg 2011 nur noch um 2,3 Prozent, waren es im Vorjahr noch ganze 5,7 Prozent, so ließ es der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) verlauten. Dabei ist die Nachfrage ungetrübt. Die Folge ist, dass der Importanteil steigt. „Der Importanteil liegt beispielsweise bei Getreide bei 15, bei Kartoffeln bei 26 und bei Möhren und Äpfeln bei etwa 50 Prozent.“, sagt Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW.
Um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen, wären laut BÖLW 10 000 neue Bio-Betriebe notwendig. Doch wie kann es sein, dass es für Bauern unattraktiv ist, zum Ökolandbau zu wechseln, wo doch die Nachfrage größer ist denn je?
Ökolandbau unwirtschaftlich?
Die Gründe sieht der BÖLW darin, dass die industrielle Landwirtschaft weiterhin wirtschaftliche Vorteile hat, denn ökologische und soziale Folgekosten, sogenannte negative externe Effekte, werden bei konventioneller Ware nicht berücksichtigt. So trägt die konventionelle Landwirtschaft dazu bei, dass die Bodenfruchtbarkeit sinkt, die Artenvielfalt abnimmt und Tiere mit importiertem Soja gefüttert werden.
Salat pflanzen in Handarbeit. Im Ökolandbau ist der Arbeitsaufwand größer als in konventionellen Betrieben. Quelle: www.oekolandbau.de, Copyright BLE, Dominic Menzler
Obwohl die Preise für Bioprodukte höher sind und Ökobauern bestimmte Subventionen erhalten, rechnet sich ein Ökohof oft erst, wenn Tiere in Massen gehalten werden. Immer weniger Höfe entsprechen dem „Ökoidyll“, stattdessen volle Ställe und kranke Tiere.
Ökoaussteiger, die meist anonym bleiben wollen, beklagen sich darüber, dass sie kranke Tiere nicht konventionell behandeln dürfen und diese dann sterben, dass es unverhältnismäßig starke Kontrollen gibt und dass die Ökoverbände Geheimhaltungsverpflichtungen einfordern. Sie befürworten konventionelles Kraftfutter, denn bei dem ist die Vermehrungsrate größer. Und mehr Tiere bedeuten dann auch mehr Umsatz.
Bricht die Förderung im Ökolandbau ein, so ist diese Wirtschaftsweise bald nicht mehr rentabel, denn die Biogasanlagen machen Konkurrenz. Durch die starke Förderung von Erneuerbaren Energien rentiert es sich eher, Mais in Monokulturen für die Biogasanlage anzubauen als den Ökohof weiter zu betreiben.
Eine Studie für Schleswig-Holstein, einem Bundesland mit geringen Ökolandbauförderungen, zeigt: Zwischen 2007 und 2010 wechselte fast jeder zehnte Ökobetrieb zurück zur konventionellen Landwirtschaft.
Die schwere Lage des Ökolandbaus mag auch darin begründet sein, dass er ein größeres Wissen erfordert. Während der konventionelle Bauer nach strikten Regeln verfahren kann, benötigt er im Ökolandbau viel Erfahrung, denn hier geht es darum, die Zusammenhänge von Fruchtfolgen, Mischkulturen und biologischer Schädlingsbekämpfung zu verstehen.
Was muss getan werden, um den Ökolandbau zu retten?
Der BÖLW fordert eine Veränderung der Biomasseverordnung. Kleegras und Luzerne, beides Pflanzen, die die Bodenfruchtbarkeit verbessern, sollen als Biogas-Substrat dem Mais gleichgestellt werden. Viele Ökobauern bauen diese Kulturen an und würden damit keinen Wettbewerbsnachteil mehr gegenüber konventionellen Landwirten haben.
Um die Nachfrage nach Bioprodukten aus dem Inland zu decken, dürfen Ökobauern keine Wettbewerbsnachteile haben. Quelle: www.oekolandbau.de, Copyright BLE, Thomas Stephan
Ökobetriebe bekommen unterschiedlich hohe Beihilfen je Hektar. Wie stark der Ökolandbau gefördert wird, hängt aber vor allem von den Ländern ab. So gibt es in Bundesländern mit stärkerer Förderung auch mehr Öko-Betriebe. Ist das politische Ziel, die ökologisch bewirtschaftete Fläche zu vergrößern, dürfen Förderungen nicht außer Acht gelassen werden.
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