Ungenutzte Flächen und unschöne Ecken in den Großstädten werden durch Guerilla Gardening verschönert. Die in den siebziger Jahren entstandene Bewegung wollte in Nachtaktionen die Städte verschönern. Heute gibt es sogar schon Bio-Gemüse von ehemaligen Brachflächen. Ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit.
Guerilla Gärtner: Nicht nur Blumen, sondern auch Bio-Gemüse findet sich in öffentlichen Grünanlagen.
Hamburg ist schon lange als grüne Stadt bekannt. Doch gibt es in der Hansestadt auch Stadtteile, die weit und breit kaum Grünes bieten. So im Industriegebiet Hammerbrook, hier herrschen große graue Bürobauten vor. Die Guerilla Gärtner basteln "Seedbombs", kleine Kugeln aus Erde, Ton und Saatgut. Dort wo man sie hinwirft, zerstören die Bomben aber nichts, sondern sie hinterlassen blühende Straßenränder, begrünte Verkehrsinseln oder ganze Gartenlandschaften wie im Berliner Prinzessinnengarten. Wurde das Guerilla Gardening früher bei Nacht und Nebel durchgeführt um mehr Grün in die grauen Betonwüsten mancher Städte zu bringen und den Gedanken der Nachhaltigkeit praktisch auch auf einer Verkehrsinsel umzusetzen, ist das zumindest in Deutschland nicht mehr so.
In vielen Großstädten kümmern sich Bürger gewissenhaft um ungepflegte oder ungenutzte Flächen. Sie werden bepflanzt, gegossen und gesäubert. Dabei geht es den meisten Hobby-Gärtnern gar nicht mehr um den Protest. Das liegt größtenteils daran, dass das öffentliche Gärtnern nicht so illegal ist, wie es anmutet. In Hamburg zum Beispiel wird die öffentliche Gartenarbeit sogar geduldet. Doch nicht nur Blumen sollen das Stadtbild verschönern. Mehr und mehr werden auch Gemüse und Kräuter angebaut. Ein großes Vorbild ist der Prinzessinnengarten in Berlin. Dort wird seit 2009 auf einer 6000 Quadratmeter großen Fläche Gemüse in Bio-Qualität angebaut. Das ist natürlich mit größerem Aufwand verbunden als das Aussähen von Blumensamen Man muss sich gut um das Gemüse kümmern und die Kriterien für Bio-Qualität auch einhalten. Diesen Trend zu mehr Nachhaltigkeit möchte die Berliner Guerilla Gärtnerin Sarah Volk beeinflussen und einer breiten Masse ermöglichen. Dafür machte sie sich zusammen mit ihrem Partner im April 2011 selbstständig und gründete den Online-Shop Greenisfaction, der noch im Mai 2011 starten soll.
Auch Lasse Walter aus Berlin hat es sich zum Ziel gesetzt, die urbane Welt ein wenig grüner zu machen. Der Berliner hat das große Vorhaben, aus dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens die größte Blumen-Wiese der Welt zu machen. Um das zu erreichen, ruft er in sozialen Netzwerken und auf seiner Homepage dazu auf beim Spaziergang auf dem Tempelhofer Feld ein paar Blumen-Samen zu verstreuen. Das Vorhaben mutet unrealistisch an: um diese große Fläche zum Blütenmeer zu machen, sind rechnerisch alleine 200 Tonnen Blumen-Samen notwendig.
Gärtnern in der Stadt, also Blumen und Gemüse anzubauen, geht hingegen auch auf ganz legalem Weg. In vielen Großstädten können die Bürger eine Grünpatenschaft eingehen, um sich selbst um ein kleines Fleckchen städtische Erde kümmern. Das kann zum Beispiel eine Grünfläche in einem Park, eine Baumscheibe oder eine Verkehrsinsel sein. «Viele Menschen kümmern sich schon unangemeldet um öffentliches Grün vor ihrer Haustür. Manche jäten die Blumen-Beete, pflanzen Gemüse und reinigen. Andere beschränken sich auf das Bewässern eines Straßenbaumes in heißen Sommermonaten», sagt Heike Mues von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Bei einer eingetragenen Grünpatenschaft wird vereinbart, wo und in welchem Umfang eine Fläche vom Paten gepflegt wird. Auskunft hierzu erhalten Interessenten von den örtlichen Bezirksämtern.
Quelle: www.geo.de {jcomments on}
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