Nachhaltigleben

Ob Gesundheit, Umwelt, Tierhaltung oder Lebensmittelversorgung in Entwicklungsländern. Der stetig wachsende Fleischkonsum ist längst zu einer immanenten Bedrohung für die Menschheit geworden. In ihrem Deutschen Fleischatlas beleuchtet die Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit Le Monde Diplomatique und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jetzt die globalen Zusammenhänge der Fleischerzeugung.

  • Drucken
Fleischatlas

Was hat das Schnitzel auf unserem Teller mit dem Regenwald im Amazonas zu tun? Solche und weitere Fragen werden im Fleischatlas thematisiert © Fleischatlas BUND Böll-Stiftung

Der deutschen Fleischindustrie geht es gut. Jährlich versorgt sie den Durchschnittsdeutschen mit 89 Kilo Fleisch (wovon mehr als 60 Kilo konsumiert werden) und setzt damit rund 18 Mrd. Euro um. Ein lukratives Geschäft, das jedoch nur scheinbar auf der Eigenleistung der Konzerne basiert. Laut dem Deutschen Fleischatlas, eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit Le Monde Diplomatique und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bilden die Fleischpreise die tatsächlichen Kosten nicht ab. Doch wie teuer ist billiges Fleisch wirklich? Hier die Fakten:

Direkte Subventionen:

Die vom Steuerzahler bezahlten Subventionen für deutsche Schlachthöfe belaufen sich jährlich auf über 20 Mio. Euro. Hinzu kommen etwa 80 Mio. Euro die Investoren für Stallbauhilfen beantragen und zumeist auch bewilligt bekommen.

Indirekte Subventionen:

Vor allem für die von der Fleischindustrie verursachte Trinkwasserverschmutzung muss der Steuerzahler tief in die Tasche greifen. Hintergrund ist die Gülleaufbringung auf Ackerflächen und Wiesen die manche Region vor allem in Niedersachsen massiv mit gesundheitsschädlichem Nitrat belasten. Die Trinkwasseraufbereitung ist teuer und teils unmöglich weshalb Wasser aus entfernten Quellen umgeleitet werden muss. In Deutschland ist die Kontrolle der EU-weit gültigen Nitratrichtlinien zudem selten was nicht selten zu massivem Missbrauch führt.

Anzeige

Geflügeltrend

Bis 2020 verdoppelt sich der Konsum von Hühnerfleisch, welche Auswirkungen hat dies auf die Kosten? © Bild: Fleischatlas BUND Böll-Stiftung

Ressourcenverschwendung:

Die Produktion von Fleisch ist immens ressourcenaufwändig. So wird beispielsweise rund 80 Prozent der weltweiten Sojaernte an Rinder, Schweine und Geflügel verfüttert. Für den Anbau werden vor allem in von Hunger geplagten Schwellen- und Entwicklungsländern in Südamerika, Afrika und Südostasien aber auch in Russland große Flächen entwaldet. In Südamerika, Afrika und Asien sind fast 27 Mio. Hektar Ackerland für den Fleischhunger der Industrieländer reserviert – Flächen die für die Versorgung der Bevölkerung nicht zur Verfügung stehen. Die Folge: Steigende Lebensmittelpreise die die Armut weiter verschärft.

Umweltverschmutzung und Treibhausgase:

Der Anteil der Ernährung an Treibhausgas-Emissionen beträgt in Deutschland etwa 20 Prozent. Davon entfällt der größte Teil aus die Produktion tierischer Lebensmittel. Ein Kilo Fleisch verursacht mehr als 13,3 Kilo CO2-Äquivalente während ein Liter Milch lediglich 940 Gramm CO2 und ein Kilo Gemüse nur 153 Gramm CO2 verantworten.

Zusammengefasst:

Anteil der Ernährung an
Treibhausgas-Emissionen 

  • 1 Kg Fleisch = 13,3 Kg CO2
  • 1 Liter Milch = 0,949 Kg CO2
  • 1 Kg Gemüse = 0,153 Kg CO2
     

Laut Studie werden genug Lebensmittel für alle produziert. Durch die ungerechte Verteilung und den gedankenlosen Konsum der Industrieländer müssen jedoch rund eine Milliarde Menschen hungern. Die Lösung des Problems liegt laut der Heinrich-Böll-Stiftung in einer massiven Einschränkung des Fleischkonsums. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Getreide, Kartoffeln und Obst und maximal 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche. Derzeit liegt der bundesdeutsche Fleischkonsum bei 240 Gramm pro Tag.

Quelle: BUND, TAZ, Fokus
Text: Andreas Grüter

Fleischkonsum_eines_Deutschen

Kennt der Fleischkonsum in Deutschland keine Grenzen mehr? 1094 Tiere verspeist ein Durchschnitts-Deutscher in seinem Leben © Bild: Fleischatlas BUND Böll Stiftung

Massentierhaltung

Deutschland war 2011 führendes europäisches Land bei der Fleischerzeugung, insbesondere von Schweinen © Bild: Fleischatlas BUND Böll-Stiftung

Prognose_Welt

Wie soll das noch machbar sein? Prognosen zeigen einen katastrophalen Anstieg des Welt-Fleischkonsums © Bild: Fleischatlas BUND Böll-Stiftung

 


  • Drucken

Das könnte Sie auch interessieren

  • Der BUND ruft zum nachhaltigen Fleischkonsum auf

    Der BUND ruft zum nachhaltigen Fleischkonsum auf
    Fleisch aus Massentierhaltungen zu konsumieren ist nicht nachhaltig. Darauf weist der BUND insbesondere nach dem erneuten Wiesenhof Skandal hin. Wenn es doch Fleisch sein soll, dann sollten wir Verbraucher zumindest auf Bio-Labels vertrauen und Massentierhaltungs-Produkte ablehnen. Weiterlesen

  • Nachhaltiger Wurstkonsum: «Hinter jedem Fleisch steckt ein Tier!»

    Nachhaltiger Wurstkonsum: «Hinter jedem Fleisch steckt ein Tier!»
    «Wurst ein Gesicht geben», lautet das Motto von Student Dennis Buchmann, der auf seinen Wurstverpackungen einen Aufkleber des verarbeiteten Schweins anbringt. Seine Idee, seine Ziele und die Hintergründe seines Erfolgs lesen sie im Interview mit nachhaltigleben.de. Weiterlesen

  • Warum sich Fleisch mit Bio-Siegel lohnt

    Warum sich Fleisch mit Bio-Siegel lohnt
    Fleisch zu essen kann oft nicht nur Ihrer Gesundheit schaden, sondern auch der Umwelt. Soll man also komplett darauf verzichten? Ganz und gar nicht. Fleisch mit Bio-Siegel können Sie mit gutem Gewissen geniessen. Weiterlesen

Newsletter

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann abonnieren Sie doch unseren nachhaltigleben-Newsletter. Jede Woche weitere nützliche Artikel, Tipps und Veranstaltungshinweise

Kommentare

  • planeterde 15.01.2013 20:28 Uhr
    Ein niedrigerer Fleischkonsum der Weltbevölkerung wäre wirklich eine super Sache, die unbedingt von jedem Einzelnen in die Hand genommen werden müsste. Es geht auch gar nicht darum, dass sich jeder vegetarisch ernähren soll, ein niedrigerer Fleischkonsum, der die Erde nicht überlastet und natürlichem Maßstab entspricht, das ist das Ziel!
  • S.Rossi 15.01.2013 17:34 Uhr
    Klar, den Menschen sollte so langsam mal bewußt werden, wie viel Mist in der Fleischtheke landet - Stichwort Wiesenhof-Skandal - und das Geiz auch beim Fleischkauf nicht geil ist. Weniger ist mehr, definitiv. Doch das weitaus größere Problem ist der Agrosprit. 3.500 Liter Wasser/1 L Biodiesel, massenweise Waldrodungen (halbes Fußballfeld/Sekunde), hauptsächlich, neben dem Agrosprit, wegen unserem Wasch- und Putzmittel oder der Handseife, der Margarine oder Schokolade, dem Fertiggericht, etc., allg. \"pflanzliche Fette\" aus Palmöl - DAS sind die weitaus größeren Probleme. z.B. Deutschland: Schon heute sind 15 %! der LaWi-Flächen nur für Agrosprit-Pflanzen. Oder: schaut einfach mal nach China und deren Smog... Ach ja: Ne Kuh, die was gescheites beim Bauern um die Ecke futtert, pupst auch nicht so viele Klimagase... ;-)

Zu den weiteren Kommentaren

Einen Kommentar schreiben

Name:
E-Mail:
Kommentar:
Sicherheitscode: Sicherheitscode
Bild neu laden


Geben Sie die sichtbaren Zeichen ein
 

nach oben

Anzeige
Die besten E-Bikes und Fahrräder

Einmal um die Welt!
Die besten E-Bikes und Fahrräder

Die Tour de France ist gerade um, da präsentieren Ihnen die besten, schönsten und modernsten Fahrräder, E-Bikes und Pedelecs für Ihre Radtour, bei der sie entspannt-komfortabel oder rasant die Natur erkunden. Komplett ohne Doping Weiterlesen

Anzeige
Anzeige

unterstützt von

  • Naturenergieplus
  • ProPlanet Rewe
  • ProPlanet Rewe

in Kooperation mit

  • Umweltbundesamt
  • Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V.
  • Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
  • Deutscher Naturschutzring