Apple reagiert auf einen kürzlich erschienen Enthüllungsbericht und ordnet eine Überprüfung von Zuliefererbetrieben. Mehrere Selbstmorde wurden bekannt und nur 38 Prozent der Zulieferer würden für faire Arbeitsbedingungen sorgen. Erwirtschaftet Apple, der weltweit wertvollste Konzern, seine Profite auf dem Rücken armer Arbeiter?
Das wertvollste Unternehmen weltweit, teuere Produkte und schlechte keine fairen Arbeitsbedingungen: Apple steht derzeit stark im Fokus. Foto: (c) Fotolia
Ins Rollen kam die Kritik an Apple durch einen Bericht vom 26. Januar in der New York Times über die Arbeitsbedingungen bei verschiedenen Zulieferfirmen des Multimedia-Herstellers. Besonders in einem chinesischen Fabrikkomplex in Shenzhen herrschen schlimme, unfaire Arbeitsbedingungen, aufgrund derer es sogar schon zu verzweifelten Selbstmorden gekommen sein soll. Der hier ansässige Apple-Zulieferer Foxconn von Foxconn an. Tausende Arbeiter sollen über die Arbeits- und Wohnbedingungen befragt werden. Hunderttausende seien womöglich von unfairen Arbeitsbedingungen betroffen.
«Arbeiter sollen überall das Recht auf sichere und faire Arbeitsbedingungen haben», sagt Apple-Chef Tim Cook. Aufgrund der aufgekommenen Gerüchte habe sich Apple bereits Mitte im Januar an die internationale Fair Labor Association, FLA, gewandt, damit diese «spezielle Untersuchungen» bei den Endmontagezulieferern Foxconn in Shenzhen und Chengdu und anderen Unternehmen durchführt.
Die New York Times hatte in ihrem Bericht zu den Missständen bei Foxconn, aber auch einen anderen Zulieferer, die Firma Wintek, belastende Aussagen von einem früheren Foxconn-Manager und gleich mehreren ehemaligen Apple-Managern veröffentlicht. Apple soll demnach für unmenschliche Arbeitsbedingungen und eine Serie von tödlichen Arbeitsunfällen bei seinen Partnern in China mitverantwortlich sein. Eine interne Apple-Studie belege dies. So würden laut diesem Papier 38 Prozent der zahlreichen Zulieferer die von Apple festgelegte Maximalarbeitszeit von 60 Stunden und die Vorgabe, den Arbeitern mindestens einen freien Tag pro Woche zu gewähren nicht eingehalten. Ein Drittel würde zudem nachlässig beim Einsatz gefährlicher Substanzen agieren und ein weiteres Drittel habe verheerende Sicherheitsstandards. Und dies wäre laut einem Ex-Apple-Manager schon seit Jahren so.
«Die Untersuchungen, so wie sie jetzt stattfinden, sind bisher einzigartig in der Elektronikindustrie, sowohl im Ausmaß als auch dem Umfang. Wir schätzen es, dass die FLA der ungewöhnlichen Maßnahme zugestimmt hat, die Fabriken in ihren Berichten zu benennen." So Tim Cook zur Kontrolle, ob bei Apple faire Arbeit vorherrscht oder nicht.
Als Teil der Beurteilungen, so der Beschluss, werde die FLA tausende Arbeiter über die Arbeits- und Wohnbedingungen befragen, inklusive Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen, Ausgleichszahlungen und Arbeitsstunden.
Doch da schrieb kürzlich der Gründer und Direktor von China Labour Watch, Li Qiang, in einem offenen Brief an Cook: «Wir glauben, es geht nicht nur um ein paar 'faule Äpfel' in der Lieferkette, sondern um ein tief sitzendes Problem im Geschäftsmodell Ihres Unternehmens.» Nach einer simplen Rechnung könne Cook allein mit seinem Gehalt die Löhne von 300.000 Foxconn-Beschäftigten in einem Quartal bezahlen.
Eine steigende Zahl an Unternehmen läßt in China produzieren. Doch nicht nur die Elektronikfirmen dort stehen in starker Kritik. Faire Arbeitsbedingungen sind Fehlanzeige. Foto: (c) Fotolia
Es hat einen schalen Beigeschmack, dass der Elektronikriese aktuell das weltweit wertvollste Unternehmen ist. Denn derzeit ist der Konzern 487 Milliarden Dollar schwer, so viel, wie kein anderer Konzern auf die Waage bringt. So hat Apple den über Jahre teuersten Konzern, Öl-Multi ExxonMobil (397 Mill. Dollar), genauso überholt wie Microsoft (258 Mill. Euro) oder Google (199 Mill. Dollar). Alleine im Weihnachtsquartal machte Apple 13,1 Milliarden Dollar Gewinn. Man sollte denken, dass damit auch faire und sichere Arbeit finanziert werden könne und hunderttausende von Arbeitern ein erträgliches Leben führen sollten. Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse der FLA.
Dieser und andere Skandale in der Produktion von Elektronikprodukten – Möbel, Spielzeug oder Bekleidung sind genauso prekär in der Herstellung - sind in China Gang und Gäbe. Erst Anfang Januar berichtete China Labour Watch, dass über 300 Mitarbeiter eines anderen Werkes von Foxconn mit Massenselbstmord gedroht haben, würden ihre Forderungen nach fairen Löhnen und Arbeitszeiten nicht erfüllt. Diese Arbeiter produzieren derzeit Microsofts Xbox 360. Foxconn ist übrigens der Weltgrößte Zulieferer in der Elektronikindustrie und arbeitet beispielsweise auch für Dell, Nokia oder Hewlett-Packard.
Bis zu 290 Stunden im Monat müssen derzeit auch Arbeiter in einem Werk für LG-Produkte arbeiten. Wer sich beschwert oder die schwere Arbeit nicht schafft, kann gehen und ein anderer Wanderarbeiter wird eingestellt.
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Quelle: Golem
Text: Jürgen Rösemeier

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